Gute Nachrichten vom Arbeitsmarkt
Nürnberg - «Es gibt gute Nachrichten vom Arbeitsmarkt», verkündet der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, am Dienstag in Nürnberg.
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Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im Juni auf 3.160.000 gesunken. Das waren 528.000 weniger als vor einem Jahr, berichtete die Bundesagentur für Arbeit gestern in Nürnberg. |
Vom Ziel der Vollbeschäftigung, das die Politik propagiert, ist Deutschland mit 3 160 000 Arbeitslosen und einer Quote von 7,5 Prozent aber noch meilenweit entfernt. Vollbeschäftigung definieren Arbeitsmarktexperten bei einer Quote von rund drei Prozent. Von den bundesweit knapp 180 Agenturen für Arbeit ist dies gerade mal in einem Dutzend Agenturen im Süden Bayerns und in Baden-Württemberg der Fall.
Immerhin wurde im Juni der niedrigste Wert seit Dezember 1992 erreicht. Doch der Vergleich hinkt. Seither wurde wiederholt die statistische Grundlage verändert, nicht zuletzt mit der Hartz-IV-Reform. Seit dem 1. Januar 2005 werden auch rund 300 000 erwerbsfähige Sozialhilfeempfänger als Arbeitslose erfasst. Ernsthafte Vergleiche sind also allenfalls für die letzten dreieinhalb Jahre möglich.
Arbeitsmarktexperten nehmen deshalb auch nicht die jahreszeitlich schwankenden Zahlen einzelner Monate zur Grundlage ihrer Analysen. Aussagekräftiger als der absolute Rückgang von gut 2,1 Millionen seit dem Höchststand im Februar 2005 mit knapp 5,3 Millionen Arbeitslosen sind die Veränderungen im Vergleich zum jeweiligen Vorjahresmonat beziehungsweise die saisonbereinigten Zahlen.
Seit Januar 2006 registrieren die Statistiker eine positive Entwicklung am Arbeitsmarkt. Seither liegen die absoluten Zahlen wieder unter dem Vorjahreswert. Die stärkste Dynamik verzeichnete die Bundesagentur im März 2007. Damals lag die Arbeitslosenzahl um 853 000 unter dem Vorjahreswert. In den vergangenen 15 Monaten hat sich die positive Entwicklung in leichten Wellenbewegungen etwas abgeschwächt. Der Vorjahresabstand in diesem Juni von 527 000 entspricht in etwa dem vom Mai 2008. Er ist aber immer noch deutlich höher als die knapp 400 000 im Bundestagswahljahr 1998, als die Regierung Kohl die Arbeitsmarktstatistik mit zusätzlichen Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen schönte.
BA-Chef Weise spricht zwar von möglichen Eintrübungen in naher Zukunft. Doch auch die saisonbereinigten Erwerbslosenzahlen können sich nach wie vor sehen lassen. Mit Ausnahme statistischer Sondereffekte im April und Mai dieses Jahres ging dieser Wert kontinuierlich zurück: Der Höchststand lag im März 2005 bei 4,96 Millionen, aktuell sind es noch 3,266 Millionen. Im Durchschnitt der Monate Dezember bis Mai errechnet die BA monatliche Abnahmen der saisonbereinigten Arbeitslosigkeit von 46 000. Der Rückgang um 38 000 im Juni knüpfe an diese Entwicklung an, betonte Weise.
Veränderungen am Arbeitsmarkt vollziehen sich nicht abrupt, sondern allmählich und zeitversetzt mit veränderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. So stehen die Chancen Experten und Politikern zufolge gut, dass im Herbst - zumindest vorübergehend - die Drei-Millionen-Marke unterschritten wird.
Der Deutsche Gewerkschaftsbund trat am Dienstag aber auf die Euphoriebremse. Vorstandsmitglied Claus Matecki bezifferte die Unterbeschäftigung in Deutschland auf fünf Millionen. Zu den 3 160 000 offiziell gemeldeten Arbeitslosen rechnet er noch mehr als 1,1 Millionen Menschen, die wegen Altersteilzeit, Ein-Euro-Job oder Qualifizierungs- beziehungsweise Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen aus der Statistik fallen. Darüber hinaus würden sich mehr als 740 000 Arbeitssuchende nicht bei den Arbeitsagenturen melden, weil sie keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld hätten.
dpa-infocom













