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Tour de France erstmals seit 1966 ohne Prolog

Brest - Die Tour de France bricht mit der Prolog-Tra­dition: Erst­mals seit 42 Jahren elek­tri­siert die Topsprin­ter schon am ersten Tag der Kampf ums Gelbe Trikot.

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Tour der Leiden, Tour der Skan­dale, Tour de France: Zum sechs­ten Mal in seiner Geschichte beginnt das kri­sen­geschüttelte Rad­ren­nen an diesem Samstag in der Bre­tagne. Während die Rad­pro­fis darum kämpfen, nach 3500 Kilo­metern als erster über die Ziel­linie zu fahren, ist es für die Ver­anstal­ter nach zahl­rei­chen Doping-Skan­dalen ein Kampf um Glaubwürdig­keit.

Da die Frank­reich-Rund­fahrt in diesem Jahr nicht wie sonst üblich mit einem kurzen Zeit­fah­ren beginnt, ist für Alt­meis­ter Erik Zabel und Nach­wuchs­hoff­nung Gerald Ciolek gleich auf der ersten Etappe das begehr­teste Rad­sport-Jersey zum Greifen nah. «Es heißt an einem Tag Alles oder Nichts. Das kommt der Sprin­ter­men­talität ent­gegen», sagte der 22 Jahre alte Ciolek einen Tag vor dem Tour-Start am Samstag. Gemein­sam mit seinem Team­kol­legen Mark Caven­dish vom T-Mobile-Nach­fol­ger Colum­bia bildet der Pul­hei­mer die gefürch­tetste Sprin­ter-Dop­pel­spitze im 180-köpfigen Starter-Feld.

Doch auch Zabel rechnet sich auf dem 197,5 Kilo­meter langen Auftakt von Brest nach Plu­melec seine Chancen aus. Mit der Erfah­rung von zwölf Etap­pen­sie­gen im Gepäck will der «Oldie» den Youngs­tern noch min­des­tens einmal das Hin­ter­rad zeigen. Und mit dem ersten Zielort haben die Orga­nisa­toren dem deut­schen Rekord-Teil­neh­mer ein gutes Omen beschert. «Ich stehe nicht so unter Druck wie manch anderer, schließlich habe ich in Plu­melec 1997 schon eine Etappe gewon­nen», sagte Zabel, der bei seinem 14. Tour-Start unbe­dingt noch ein 13. Mal jubeln will: «Wenn das morgen pas­siert, wäre es umso schöner, da der Sieger gleich­zei­tig ins Gelbe Trikot schlüpft.»

Auch sein natio­naler Nach­fol­ger Ciolek hat den knapp 38-Jährigen auf der Rech­nung. Zabel sei gefährlich, «weil er immer die beste Posi­tion bei den Sprints hat», meinte der U23-Welt­meis­ter von 2006. Mit der Colum­bia-Equipe, die binnen sieben Monaten unter dem dritten Namen nach T-Mobile und High Road Rennen bestrei­tet, will der 22-Jährige die Team-eigene Far­ben­lehre erwei­tern. Auf Magenta folgte Schwarz, dann Weiß, jetzt Blau - nun soll Gelb an der Reihe sein. «Morgen geht es schon um alles. Wer gewinnt, hat schon am ersten Tag eine gute Tour hinter sich», meinte Sport­direk­tor Rolf Aldag.

Der frühere T-Mobile-Profi sieht das Team um Kapitän George Hin­capie bestens für die 22-tägige Tortur über 3559 Kilo­meter gewapp­net. Der Luxem­bur­ger Kim Kirchen soll um einen Spit­zen­platz im Gesamt-Klas­sement fahren, Ciolek und Bahnrad-Welt­meis­ter Caven­dish sollen ihre Spurt-Stärke bei Mas­senankünften demons­trie­ren. «Ich wäre superglücklich, wenn wir einen Fahrer unter den ersten Fünf hätten und zwei Etappen gewin­nen würden», steckte Aldag das Tour-Ziel fest.

Heißester Kan­didat für den ersten Colum­bia-Coup ist Tour-Debütant Ciolek. Die schwie­rige Schluss-Passage mit einem kurzen Anstieg von 6,2 Prozent spielt dem deut­schen Meister von 2005, dessen Vertrag am Ende der Saison ausläuft, in die Karten. «Natürlich sieht sie auf dem Papier so aus, als würde sie mir ent­gegen­kom­men», sagte Ciolek, der es (noch) für «ver­mes­sen» hielt, auf das Grüne Trikot des besten Sprin­ters zu spe­kulie­ren. «Wenn es in der ersten Woche gut läuft, werde ich sicher ver­suchen, Punkte zu sammeln», gab er zumin­dest zu.

Konkurrent Gerolsteiner will den Sprin­tern ein Schnipp­chen schla­gen. Sowohl der frisch­geba­ckene deut­sche Meister Fabian Wegmann als auch der WM-Dritte Stefan Schu­macher kündigten für die erste Etappe, für die Dau­erre­gen erwar­tet wird, Atta­cken auf dem schwie­rigen Kurs an. «Morgen wird es Krieg geben. Sicher ist es eine Etappe, bei der die Ankunft auf uns zuge­schnit­ten ist», sagte Schu­macher, der beim Giro d'Italia 2006 in Namur bei ähnli­chen Wetter- und Stre­cken­verhältnis­sen einen Tages­sieg und das Rosa Trikot einfuhr.

Dass durch den gestri­che­nen Prolog die Sprin­ter in den ersten Tagen bessere Möglich­kei­ten haben, ins «Maillot Jaune» zu schlüpfen, gefällt dem Topfa­vori­ten Cadel Evans. «Hof­fent­lich bedeu­tet das für die Sprin­ter-Teams mehr Arbeit», sagte der Vor­jah­res­zweite. Der Aus­tra­lier, der wohl gegen Ale­jan­dro Val­verde, Denis Ment­schow und Damiano Cunego um den Gesamt­sieg fährt, setzt darauf, dass seine Kol­legen von Team Silence-Lotto so «nicht zu viel Energie ver­schleu­dern» müssen. Von Ben­jamin Haller und Andreas Zellmer, dpa

dpa-infocom


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