Sonne, Radiohead und Drogen beim Roskilde-Festival
Roskilde - Knapp 100 000 Besuchern im dänischen Roskilde haben 175 Bands vier Tage lang eine bunte Musikpalette von HipHop über Heavy Metal und afrikanische Volksmusik bis zum Traditionsrock von Neil Young geboten.
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Mit dem skandinavischen Sommer von seiner schönsten Seite lief Europas traditionsreichstes Rockfestival in Roskilde in diesem Jahr zum 38. Mal. Acts wie Radiohead und Neil Young begeisterten die Musikfans. |
Getrübt wurde die strahlend freundliche Roskilde-Stimmung vom Herzstillstand eines Norwegers durch Heroin. Der 20-Jährige lag nach vier Tagen im Krankenhaus immer noch im Koma, die Polizei bezeichnete seinen Zustand am Sonntag als kritisch.
Der Londoner Rapper Mike Skinner , bekannt als «The Streets», machte seinen Auftritt zu einem von zwei allseits bejubelten Höhepunkten des Festivals westlich von Kopenhagen. Den anderen hatte Skinner selbst am Abend vorher als normaler Zuschauer des Radiohead-Konzerts vor der gigantischen «Orange-Stage» miterlebt. Radiohead-Sänger Thom Yorke und die Band aus Oxford spielten überwiegend Stücke von ihrem letzten Album «In Rainbows» und beeindruckten mit einem hoch differenzierten Sound bei ihren musikalischen Melancholie-Erkundungen.
Entgegen den Festival-Gepflogenheiten spielte Radiohead zwei Stunden lang. Sogar zweieinhalb Stunden blieb der bekennende Roskilde-Fan Neil Young auf der Bühne. Der Kanadier schloss sein Konzert mit einer unwiderstehlichen 20-Minuten-Version von «No Hidden Path» und schließlich mit John Lennons «A Day In The Life» ab.
So großartig The Streets, Radiohead und Neil Young auch beim Publikum ankamen, den nichtkommerziellen Veranstaltern in Roskilde haben die astronomisch gestiegenen Gagenforderungen der Superstars böse Kopfschmerzen bereitet. Der Anstieg der Ticketpreise auf sage und schreibe 240 Euro gilt als einer der Gründe dafür, dass das Festival mit 65 000 zahlenden Besuchern erstmals seit drei Jahren nicht ausverkauft war. Der andere Grund dürfte das extrem schlechte Wetter beim Schlamm-Festival 2007 sein, nach dem viele Fans wohl eine Wiederholung fürchteten.
Aber der Wettergott bescherte dem 38. Roskilde-Festival einzigartig schönes Wetter. Unter der warmen, aber nie drückenden skandinavischen Sonne konnten sich die gut 3 000 Musikfans aus Deutschland auch über Bands aus dem eigenen Land wie Notwist und Polarkeis 18 freuen.
Abgesehen von den Drogenproblemen stellte die Polizei den Versammelten ein höchst anerkennendes Zeugnis aus. Gewalt blieb trotz des gigantischen Alkoholkonsums wie fast immer völlig aus. «Nein, da war praktisch nichts», sagte ein Sprecher zum Abschluss.
www.roskilde-festival.dk Von Thomas Borchert, dpa
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