«Tropic Thunder»: Vietnamkriegsfilm-Parodie
Berlin Im Sturm auf nationale Werte und Mythen hat Ben Stiller Erfahrung.
In «Dodgeball» (2004) parodierte der Comedy-Star den hohen Stellenwert von Sport in der US-Gesellschaft, und in «Nach 7 Tagen Ausgeflittert» nahm er die bigotte amerikanische Sexmoral aufs Korn.
Nun hat er sich an die vermutlich letzte komödienfreie US-Bastion gemacht: den Vietnamkrieg. «Tropic Thunder» ist eine derbe Parodie auf die Darstellung des Krieges in den US-Medien. An der Seite von Stiller, der auch Regie führte, spielen Tom Cruise, Nick Nolte und Jack Black.
Die Handlung ist eine Art Film im Film: Auf einem Set eines Actionstreifens in Vietnam greift ein unerfahrener Regisseur zu drastischen Mitteln, um mit seinen abgehalfterten Stars einen authentischen Kriegsfilm zu machen. Er setzt sie als amerikanische Soldaten kostümiert im Urwald aus. Versteckte Kameras sollen ihren Marsch durch inszenierte feindliche Linien festhalten. Doch die Feinde gibt es wirklich: In der Nähe campiert eine schwerbewaffnete Drogenbande, die alsbald Jagd auf die ungebetenen Gäste macht. Die jedoch halten den Beschuss für ungefährliche Knallkörper und so stürzen sich die verweichlichten Leinwandstars unerschrocken in den Nahkampf.
Stiller mimt mit gewohnt komischen Blicken einen Star, der den Misserfolg seiner letzten Rolle als geistig Behinderter «Simple Jack» noch nicht verwunden hat: Das liege wohl daran, dass er als Anhänger vom «Method Acting», also des realitätsnahen Verinnerlichens einer Rolle, nie wirklich zu «Simple Jack» werden konnte, heißt es. Schließlich sei er ja nicht behindert. Nun sieht er seine zweite Chance: Er kann zum wahren Kriegshelden werden.
Einen Wettbewerb der Filmzitate würde «Tropic Thunder» wohl gewinnen alle paar Minuten flimmern nachgestellte Bilder von «Apocalypse Now» oder «Platoon» über die Leinwand. Leider beschränkt sich Stiller nicht auf die Parodie von Kriegsfilmen. Auch Werke über Behinderte wie «I Am Sam» oder Abenteuerklassiker wie «Crocodile Dundee» bekommen ihr Fett weg. Und schließlich wird der Oberflächenkult der Traumfabrik Hollywood in Gestalt eines eiskalten Produzenten (Cruise) und eines Sunnyboy-Agenten (Matthew McConaghey) ironisch dargestellt.
Die Drehbuchautoren - unter ihnen Stiller - wollten anscheinend jedes nur mögliche Tabuthema verwursten. So müssen Kindersoldaten oder Adoptivkinder aus der Dritten Welt als Comedy-Elemente herhalten. Ob geschmacklos oder nicht in «Tropic Thunder» gehen viele anarchische und arg makabre Witze einfach nicht auf. Optisch retten die Kostüme der Maskenbildnerin Marlene Stewart einige Einfälle aus dem wirren Parodie-Dschungel: Robert Downey Junior tritt als afroamerikanischer G.I. auf und Nick Nolte als übertrieben verlotterter Kriegsveteran ohne Hände. Tom Cruise ist als glatzköpfiger Produzent kaum zu erkennen.
Bei der Menge an verschiedenen, skurrilen Einfällen drängt sich ein Verdacht auf, den der Kritiker John Hazelton im Kino-Branchenblatt «Screen International» so formuliert: «Es gibt einige echte Lacher, aber es hat wohl mehr Spaß gemacht, den Film zu machen, als ihn sich anzusehen.» In den USA bekam «Tropic Thunder» aber überwiegend positive Kritiken. Im «Time Magazine» wurde der Streifen als «Nadelstich auf den Helium-Ballon vom Hollywood-Ego» gelobt.
www.tropicthunder.de Von Wolf von Dewitz, dpa
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