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Interview mit dem Chef des Isaf-Stabes


Domröse: Wir werden noch lange bleiben

Kabul Bei den Befehlshabern des Isaf-Einsatzes in Kabul wird die politische Entwicklung in Deutschland genau verfolgt.

Unsere Zeitung sprach mit Generalmajor Hans-Lothar Domröse, Chef des Isaf-Stabes und damit ranghöchster deutscher Soldat der internationalen Allianz. Er geht davon aus, dass die Bundeswehr noch einige Jahre am Hindukusch bleiben wird.

Kurz vor der Verlängerung des Isaf-Mandates – wie ist die Lage?

Die Lage ist durchaus angespannt, in manchen Landesteilen auch sehr gefährlich.

Rechnen Sie mit einer Zuspitzung im Rahmen der Bundestagsentscheidung?

Die Sicherheitslage in Afghanistan ist davon völlig losgelöst. Sie ist abhängig vom Verhalten der Aufständischen. Dabei spielt es eine große Rolle, inwieweit die Gewalt von Pakistan nach Afghanistan hineingetragen wird.

Sie fürchten nicht, dass die Taliban einen Propagandaerfolg im Umfeld der Abstimmung erzielen wollen?

Das lässt sich nie komplett ausschließen. Die Aufständischen sind sehr geschickt da?rin, Stimmungen auszunutzen. Ihr Ziel ist es, die internationale Koalition zu spalten und aus dem Land zu drängen. Eine Mandatsverlängerung wäre daher ein Rückschlag für den Gegner.

Welches Zeichen erhoffen Sie sich von der Bundestagsentscheidung?

Wir Soldaten sind vom Parlament entsand und eine breite Mehrheit stärkt unserer Arbeit den Rücken. Der Auftrag ist sinnvoll und erfordert Geduld, denn er wird länger dauern, als es sich viele gedacht haben. Deshalb brauchen wir Unterstützung und einen langen Atem.

Trotz des Todes eines deutschen Soldaten und mehrerer Zivilisten bei Unglücken in Kundus vor wenigen Wochen, gehen Sie also von einer breiten Mehrheit aus?

Absolut, denn grundsätzlich ist die Lage unverändert. Die Situation ist angespannt, aber in vielen Landesteilen zeichnen sich auch Erfolge beim Aufbau ab.

Welche Wirkung hat ein klares Ja aus Berlin auf die deutschen Isaf-Soldaten?

Es unterstreicht, wie wichtig die Aufgabe ist, die unsere Soldaten hier erfüllen. Aber noch viel wichtiger ist die Frage: Wie positioniert sich Deutschland im internationalen Umfeld? Und als Nato- und UN-Mitglied sind wir ein verlässlicher Partner. Ein klares Votum zeigt, dass wir nicht vor der Verantwortung zurückschrecken. das Signal ist von daher sehr vielfältig.

Das Mandat soll zudem auf 4500 Mann erweitert werden. Reicht das aus?

Diese Frage kann man stundenlang diskutieren. Im Norden, wo Deutschland als Führungsnation mit anderen Ländern Verantwortung trägt, ist die Anzahl der Soldaten sicher ausreichend. Aber wir dürfen dabei nicht nur die Isaf-Soldaten sehen, sondern müssen auch die Kräfte der afghanischen Nationalarmee und der Polizei in die Rechnung mit einbeziehen. Dort stehen rund 10 000 Mann zur Verfügung und nur im Verbund mit ihnen macht unser Auftrag Sinn. Letztlich ist die Mischung entscheidend.

Demnach gewinnt das „a“ für „assisting“ (unterstützen) in Isaf zunehmend an Gewicht?

Ganz sicher. Wir handeln im Auftrag der afghanischen Regierung zum Wohle des Volkes – deshalb läuft alles von der Planung bis zur Durchführung zusammen.

An der Strategie gibt es also nichts zu rütteln, wie es derzeit die Grünen fordern?

Ich denke nicht. Ich wäre gerne bereit, ein besseres Strategiepapier umzusetzen. Aber in meinen neun Monaten Dienst hier ist das noch nicht aufgetaucht. Grundsätzlich gibt es genug Ideen. Und wir tun unser Bestes, den Staat Afghanistan durch Schutz und zivilen Aufbau wieder auf die Beine zu bringen. Aber es braucht Geduld.

Wie viel Geduld?

Vielleicht waren wir am Anfang ein wenig naiv, als wir glaubten, dass der Aufbau schnell möglich wäre. Aber schnell geht in diesem Land nichts. Wir müssen Kurs halten und haben damit auch schon einige Erfolge im Norden und im Westen erzielt. Langfristig werden wir uns durchsetzen, denn die Aufständischen sind keine attraktive Alternative für die Bevölkerung.

Wie viele Mandatsverlängerungen werden noch folgen?

Die Planung geht bis 2013 – dann soll die afghanische Armee endgültig aufgebaut sein. Bis sie richtig funktioniert, dauert es dann nochmals eine Weile. Mit fünf Jahren liege ich also sicher nicht zu lang. (Das Gespräch führte Peter Lausmann)

RZO


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