Hypo-Real-Zukunft ungewiss - Chef vor Rauswurf
München/Berlin - Der Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate (HRE) hat auch nach der Aufstockung des Hilfspakets auf 50 Milliarden Euro eine ungewisse Zukunft vor sich.
Die Aktie des DAX-Konzerns stürzte am Montag erneut ab und ging am Abend mit einem weiteren Wertverlust von gut 37 Prozent auf 4,70 Euro aus dem Handel. «Es bleibt offen, ob das Volumen des Rettungspakets diesmal ausreicht», kommentierte ein Börsianer die Unsicherheit. Nach massiven Rücktrittsforderungen muss HRE-Vorstandschef Georg Funke seinen Posten voraussichtlich räumen. Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) bezeichnete es als undenkbar, mit dem Management weiter zusammenzuarbeiten. Ein möglicher Nachfolger für Funke war am Montag aber nicht in Sicht.
In der Nacht zum Montag hatten sich Regierung und Finanzwirtschaft nach zähem Ringen auf ein neues Rettungspaket für den Immobilienfinanzierer geeinigt, nachdem der erste Hilfsplan Ende vergangener Woche gescheitert war. Nach dem neuen Paket will die Finanzindustrie den Umfang der Notfallkredite für den Münchner Konzern auf nunmehr 30 Milliarden Euro verdoppeln. Einschließlich der schon in einer ersten Runde vereinbarten Kredite vom Notenbanksystem in Höhe von 20 Milliarden Euro beläuft sich das neue Rettungspaket für die HRE-Gruppe auf insgesamt 50 Milliarden Euro. Unterschrieben war das Paket nach Angaben aus Finanzkreisen am Montag noch nicht.
Die Banken hatten in den Verhandlungen unter anderem darauf gepocht, dass HRE-Vorstandschef Funke sowie HRE-Aufsichtsratschef Kurt Viermetz abberufen werden. Die Hypo Real Estate äußerte sich am Montag nicht zu den Rücktrittsforderungen. In Finanzkreisen hieß es, Funkes Abgang sei wohl nur noch eine Frage der Zeit. «Wenn die Politik seinen Kopf fordert, wird man dem langfristig nachkommen müssen», hieß es. Die Rücktrittsforderung sei ein wirksames Druckmittel in den Verhandlungen.
Steinbrück warf dem Management schwere Versäumnisse vor. Es sei ungeheuerlich, dass ausgerechnet eine Bank, die vom Staat gestützt werden müsse, sich über Anwälte an die Bundesregierung wende, um sich ihrer Verantwortung zu entziehen. «Das prägt», betonte der Finanzminister. Er bekomme einen «dicken Hals», wenn nun der Politik die ganze Schuld zugeschoben werden solle und Politiker als «Idioten» dargestellt würden. Im Umfeld der Hypo Real Estate war zuvor argumentiert worden, Steinbrück habe durch seine wiederholten Äußerungen über eine Abwicklung des Konzerns zur Verschärfung der Krise beigetragen.
Steinbrück sagte, die erneute Zuspitzung am zurückliegenden Wochenende liege in der alleinigen Verantwortung der HRE-Spitze, die mit «zu optimistischen Annahmen» die neue Krise ausgelöst habe. Ebenso wie Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundesbankpräsident Axel Weber habe er erst am Samstagabend von der neuen Entwicklung erfahren.
Nach Informationen der Zeitung «Die Welt» (Dienstag) war die Verschlechterung der HRE vor allem durch eine Herabstufung der Bank durch Ratingagenturen entstanden. Dies habe dazu geführt, dass Investoren von der irischen HRE-Tochter Depfa Bank Zahlungen in zweistelliger Milliardenhöhe verlangen konnten. Dies hätte die Bank möglicherweise überfordert und am Wochenende ein neues Rettungspaket nötig gemacht, heißt es in dem Bericht.
Ungeachtet der dramatischen Lage bei der HRE will der Großaktionär des Immobilienfinanzierers, die Investorengruppe um J.C. Flowers, an seiner Beteiligung festhalten. Die Investorengruppe werde ihren Anteil von 24,9 Prozent weiterhin nicht verkaufen, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur dpa am Montag aus Finanzkreisen. Flowers war im Frühjahr für mehr als eine Milliarde Euro bei dem DAX-Konzern eingestiegen. Durch den Kursrutsch vergangene Woche ist der Wert des Aktienpakets drastisch gesunken.
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