Kommentar: Vielfalt kann eine Stärke sein
"Mein Job, meine Sprache, mein Land": Auf diesen Dreisatz bringt Omid Nouripour, grüner Bundestagsabgeordneter mit Wurzeln im Iran, die Anleitung zur geglückten Integration.
Das klingt ganz schlicht - ist aber tatsächlich weder selbstverständlich noch einfach. Jeder sechste Rheinland-Pfälzer hat Migrationshintergrund: Diese Meldung der Statistiker war unser Anlass zum Blick ins Land. Was sind die Leistungen, Hoffnungen, Anliegen und Probleme derer, die großteils seit Jahrzehnten mit den Ur-Deutschen - mitunter auch neben ihnen - leben?
Den Migranten gibt es so wenig wie den Deutschen - die Biografien sind so spannend wie vielfältig. Und Vielfalt kann eine Stärke sein. Da sind Engagierte, die sich dem Miteinander widmen, als Lehrer oder Streetworker. Viele setzen ihre Arbeitskraft seit Jahrzehnten zum Nutzen eines Staates ein, der nicht ihr Heimatstaat ist. Es gibt junge Leute mit deutschem Pass und Migrationshintergrund, für die das Land ihrer Eltern vor allem Familienurlaub bedeutet. Und es gibt Bürger, die ihre Identität sehr bewusst auf zwei Staaten beziehen.
Selbstverständlich ist das Miteinander in Vielfalt nicht - trotz mehr als 50 Jahren bundesdeutscher Einwanderungsgeschichte. Das machen soziale wie politische Projekte deutlich - die "Interkulturelle Woche" ab Sonntag mit Veranstaltungen auch in der Region oder die Enquetekommission "Migration und Integration" des Mainzer Landtags, die ihre Arbeit dem Ziel der besseren Integration von Migranten widmet. Sie zeigen auf der einen Seite: Chancengleichheit für alle, wie sie das Grundgesetz vorsieht, braucht aktive Förderung.
Und auf der anderen Seite? Gegen diffuse Furcht vor dem, was wir nicht kennen, hilft als Erstes: Kennenlernen - und schätzen lernen, was Integration in den Bereichen Bildung, Kultur, Wirtschaft, Gesellschaft, Sport und Religion bedeuten kann. Dazu will die Serie "Rheinland-Pfälzer aus aller Welt" beitragen.
E-Mail an die Autorin: Doris.Betzl@Rhein-Zeitung.net
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