Mit dem Bio-Jeep durch Alaska
Limburg/Paris Das ging ja schon gut los: "Wir hatten ein kleines Problem mit der Elektrik", sagte der Limburger Matthias Jeschke, als er und sein Team mit einstündiger Verspätung in Paris vorfuhren.
Zum Glück für den 37-Jährigen tauchten die Schwierigkeiten unmittelbar vor dem Start der Extremtour "Paris/New York Transcontinental 2009" auf, die ihn in den nächsten rund acht Monaten auf den Spuren der Völkerwanderung einmal um den Erdball führen soll.
Die drei Fahrzeuge werden dabei mit Bio-Kraftstoff der zweiten Generation betankt - solchem also, der aus organischen Abfällen stammt und nicht aus Pflanzen, die als Lebensmittel genutzt werden können. Gut 43 000 Kilometer haben der Kraftfahrzeugmeister und sein russischer Fahrer in ihrem Jeep vor sich. Über die Mongolei und Russland soll es nach Alaska gehen. Im Mai 2009 hofft er, in New York einzufahren. Das schwierigste Unterfangen wird dabei die Überquerung der Meerenge der Beringstraße sein. Sie ist nur zeitweise zugefroren, wenn die Temperatur unter Minus 70 Grad Celsius fällt.
Rund drei Millionen Euro kostet die Expedition, die von Sponsoren unterstützt wird. 15 ähnliche Versuche sind in der Vergangenheit gescheitert. Der Limburger hat zur Sicherheit spezielle Schwimmkörper mit an Bord, die das Auto auch dann in die USA bringen sollen, wenn das Eis auf der Beringstraße bricht. Ganz schön wagemutig für einen Vater von zwei kleinen Söhnen. Seine Frau, die mit den Kindern zu Hause bleibt, steht aber voll hinter dem Projekt: "Wir haben vor ein paar Jahren entschieden, dass wir außergewöhnliche Dinge machen und damit zeigen wollen, dass das jeder normale Mensch tun kann."
Dass er aus Abfallholz gewonnenen Biosprit tankt und Motor, Getriebe und Achsen mit Bioölen schmiert, ist für Jeschke Verpflichtung und Botschaft zugleich. "Die Expedition soll so umweltfreundlich wie möglich sein. Und nach der Kritik, dass Bioethanol die Preise für Grundnahrungsmittel explodieren lässt und für arme Menschen unerschwinglich macht, wollen wir eine Lanze für Bioethanol aus Abfällen brechen."
3900 Liter Biosprit haben Jeschke und die Fahrer der beiden Begleitfahrzeuge auf und unter den Autos verstaut. Unterwegs werden sie normalen Kraftstoff zutanken müssen. Trotzdem soll der Ausstoß des schädlichen Kohlendioxids um 80 Prozent geringer sein als bei normalem Benzinbetrieb. Zum Ausgleich für die übrigen 20 Prozent will Jeschke nach der Expedition auf der Strecke Bäume pflanzen lassen. ( Karin Finkenzeller)
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