eBay-Betrug: 30 Monate Haft für Internet-Händler
Darmstadt Ein Internet-Händler aus dem südhessischen Dreieich ist wegen gewerbsmäßigen Betruges in 71 Fällen zu 30 Monaten Haft verurteilt worden.
Das Landgericht Darmstadt sah es als erwiesen an, dass der 37 Jahre alte Pole über das Internet- Auktionshaus eBay Computerteile angeboten, die bestellte und vorab bezahlte Ware aber nie ausgeliefert hat. Insgesamt soll er mehr als 4000 Kunden um mehrere hunderttausend Euro geprellt haben. Der Verteidiger des Polen kündigte Revision an.
Die Polizei geht von einem Gesamtschaden von einer Million Euro aus. Die meisten Fälle waren jedoch im Januar, als der Mann mit internationalem Haftbefehl in Polen festgenommen wurde, noch nicht bekannt. Ein weiterer Haftbefehl, in dem es um rund 350 Fälle geht, wurde inzwischen an die polnischen Behörden übergeben. Nach Angaben der Ermittlungsbehörde liegen mehr als 1500 Strafanzeigen gegen den Mann vor. eBay zahlte den Geschädigten rund 440 000 Euro Schadenersatz.
«Der Angeklagte wird sich erneut vor Gericht verantworten müssen, und dann wird es zu einer höheren Strafe kommen. Die Taten dürfen sich nicht lohnen», sagte die Vorsitzende Richterin Barbara Bunk. Das Gericht geht davon aus, dass der Angeklagte deutlich mehr als eine halbe Million Euro zur Seite geschafft hat.
Der Pole gründete im August 2007 in Dreieich seine Firma und meldete sich bei eBay als gewerblicher Händler mit dem Account «PC Hardware 1» an. Nach Überzeugung des Gerichts hatte er von Anfang an nicht die Absicht, sein Geschäft über längere Zeit zu führen. Zwar lieferte er anfangs die bestellte Ware zuverlässig aus. Doch damit wollte er sich nach Ansicht des Gerichts nur positive Kundenbewertungen sichern. «Ihm war sehr klar, wie das System funktioniert. Als Händler ist man zwingend auf gute Bewertungen angewiesen, um eine Vielzahl von Kunden zu gewinnen, die auf Vorkasse bezahlen», sagte Bunk.
So stieg sein Umsatz bei eBay von August bis zum 5. Dezember 2007 rasant an: Im August setzte der Pole 147 Euro um, im November mehr als 350 000 Euro und in den ersten fünf Tagen des Dezembers fast 540 000 Euro.
dpa-infocom











