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Börsengang: Experten raten bei Bahn-Aktie zum Abwarten

München/Düsseldorf Die Deutsche Bahn wird zum börsennotierten Unternehmen.

Trotz der internationalen Finanzmarktkrise will die Bahn am 27. Oktober an die Börse gehen.

Diesen Termin bestätigte der bundeseigene Konzern am Freitag (26. September) erstmals offiziell in Berlin. Allerdings sind nur 10 bis 20 Prozent aller Anteilsscheine für Privatanleger reserviert.

Und nicht alle Experten sind ausgesprochen optimistisch, was die Gewinnmöglichkeiten von Sparern anbetrifft. Und die aktuelle Entwicklung an der Börse könnte ein weiterer Hemmschuh sein.

Lediglich ein Anteil von 24,9 Prozent der Bahn-Tochter DB Mobility & Logistics, der Verkehrs- und Logistiksparte, soll an der Börse gehandelt werden. Drei Viertel der Anteile bleiben in den Händen der Konzernholding und damit im Staatsbesitz. Vor allem das macht Finanzexperten skeptisch: «Wir glauben, dass die Deutsche Bahn AG weiterhin ein sehr politisches Unternehmen bleiben wird», sagt Lothar Gries, Sprecher der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) in München. «Das kann sehr hemmend wirken für das Potenzial der Aktie.»

Er rät interessierten Anlegern daher, zunächst den Kursverlauf der Aktie abzuwarten und nicht gleich einzusteigen. Mindestens ein bis eineinhalb Jahre sollte man das Papier beobachten, empfiehlt Gries. Das lehre die Erfahrung aus der Entwicklung nach Privatisierungen von Staatskonzernen wie der Telekom oder der Post.

Auch Peter Lischke, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Berlin, fühlt sich an den Börsengang der Deutschen Telekom erinnert und rät zur Vorsicht: «Man sollte nicht gleich auf den Zug aufspringen, sondern zunächst einmal gucken, wie sich das Unternehmen und der Kurswert entwickeln.»

Marco Cabras, Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) in Düsseldorf, sieht im Teilbörsengang ebenfalls das größte Risiko: «Die Anleger sind auf Gedeih und Verderb dem ausgesetzt, was der Staat möchte.» Zumindest zwei Daten sind aber inzwischen bekannt: Der Börsengang soll am 27. Oktober erfolgen, der Beginn der Zeichnungsphase für Privatanleger in Deutschland ist für den 13. Oktober geplant.

Die Preisspanne für die Aktie ist allerdings noch nicht veröffentlicht worden. Die Geheimniskrämerei dürfte auch damit zu tun haben, dass die Bedingungen für einen Börsengang aufgrund der Entwicklung auf dem Aktienmarkt derzeit nicht die besten sind: «Das Marktumfeld ist schlecht», sagt Cabras. Diese Einschätzungen sollten auch Anleger kennen, die nicht in die Aktie investieren wollen, sondern auf einen internationalen Logistik-Fonds setzen. Gries hält das für «heikel». Denn während vor einigen Jahren der Logistik- Branche noch ein rasantes Wachstum vorhergesagt wurde, sei derzeit «von diesem Sektor eher abzuraten».

Für die Bahn spreche, dass es bei dem Unternehmen kein Auslandsrisiko gebe: «Das Unternehmen ist einzig und allein in Deutschland aktiv», erläutert Cabras. Es gebe somit keine Risiken durch Währungsschwankungen oder durch Tochterunternehmen im Ausland. Auch die steigenden Rohstoffpreise ließen auf eine gute Zukunft für den Schienenverkehr hoffen. Die Teilprivatisierung könnte also doch eine Erfolgsgeschichte werden. Logistik-Boom vorerst beendet Experten raten Privatanlegern eher vom Investment in Einzelaktien ab. Um das Risiko zu streuen, ist es sinnvoller, in Aktienfonds zu investieren. Anleger könnten also, statt Bahn-Aktien zu zeichnen, etwa in einen internationalen Logistik-Fonds investieren. Das hält Lothar Gries von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) in München allerdings für ein «heikles Thema»: Während vor einigen Jahren der Logistik-Branche noch ein rasantes Wachstum vorhergesagt wurde, sei derzeit «von diesem Sektor eher abzuraten.» Von Sebastian Knoppik, dpa

dpa-infocom


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