Im Dienst der Wissenschaft: Körperspender werden
Halle Wenn Menschen sich mit dem Tod beschäftigen, stellen sich viele die Frage: Was wird nach meinem Ableben aus meinem Körper? Manche entscheiden sich dann für eine Organspende, andere wollen sogar ihren gesamten Körper spenden.
«Das überlegen sich meistens Menschen, die älter als 60 Jahre sind», sagte Prof. Friedrich Paulsen von der Anatomischen Gesellschaft in Halle. Benötigt werden solche Spenden für die anatomische Ausbildung angehender Ärzte - denn kein noch so guter Modellbauer bekommt den Körper eines Menschen so hin wie die Natur.
Die Motive der Spender seien vielfältig: Manche vermachen ihren Körper als Dank für eine gute medizinische Behandlung zu Lebzeiten, aus Dankbarkeit gegenüber einem Krankenhaus oder der Ärzteschaft. Andere wollen damit die jungen Mediziner fördern, wieder andere sind dem jeweiligen Institut persönlich eng verbunden.
Für viele spiele es außerdem eine Rolle, dass dadurch die Bestattungskosten niedriger ausfallen, sagt Paulsen. Zwar verlangen die meisten anatomischen Institute eine finanzielle Beteiligung - oft zwischen 750 und 1200 Euro, die innerhalb eines Jahres nach der Spendenbekundung zu zahlen sind. Aber das ist immer noch günstiger als eine konventionelle Bestattung.
Gespendet wird dem Anatomieprofessor zufolge quer durch alle Gesellschaftsschichten. Potenzielle Spender erhalten einen entsprechenden Ausweis. Allerdings: «Seinen Körper spenden kann nur, wer das zu Lebzeiten selbst verfügt hat.» Das heißt, die Entscheidung hat testamentarischen Wert und kann nur vom Betreffenden selbst zu Lebzeiten zurückgenommen werden - dann aber jederzeit. Verwandte haben nicht die Möglichkeit, diesen letzten Willen einfach zu übergehen.
Viele Universitäten haben laut Paulsen einen solchen Zulauf, dass sie sich auf Spender aus ihrer Region oder dem Ort beschränken. Sollte ein Körper nicht mehr intakt sein, haben viele Institute Klauseln dafür, dass sie die Spende ablehnen können. «Wer sich aber vor 20 Jahren verfügt hat und nach seinem Tod der Wissenschaft doch nicht dienen kann, wird meist auf Kosten der Uni eingeäschert.»
Dasselbe geschieht mit Körpern , die ihren «Dienst an der Wissenschaft» versehen haben. Bei einer von den Studenten organisierten Gedenkfeier werden anschließend mehrere Körperspender in Urnengräbern beigesetzt. Oft seien Verwandte der Verstorbenen dabei, sagt Paulsen: «Ich empfehle potenziellen Spendern und auch ihren Angehörigen, sich ruhig mal eine dieser Gedenkfeiern anzuschauen.» Auf diese Weise verliere das Thema womöglich seinen Schrecken.
dpa-infocom









