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Frühgeburten oft nicht zu verhindern

Würzburg Gegen Frühgeburten gibt es nach Worten eines Kinderarztes nach wie vor keine wirksamen Mittel.

«Frühgeburtlichkeit ist ein bisher ungelöstes Problem», sagte der Direktor der Kinderklinik der Universität Würzburg, Professor Christian Speer.

«Es sind sehr komplexe Mechanismen , die man nicht mit einer einzelnen therapeutischen Maßnahme fassen kann.» Zwar seien die Ursachen für Geburten vor der 37. Schwangerschaftswoche bekannt, darunter zumeist Infektionen oder Mangelernährung wegen eines gestörten Mutterkuchens (Plazenta). «Aber es gibt keine Wunderwaffe, die Frühgeburtlichkeit gezielt unterbinden kann.»

In Deutschland kommen etwa 50 000 Kinder jedes Jahr zu früh auf die Welt - das sind gut sieben Prozent aller Geburten. Sehr unreife Frühgeborene sind Speer zufolge besonders durch Lungenerkrankungen, Schäden an den Augen und am Gehirn sowie durch Infektionen gefährdet. «Eine 24. Woche ist ein Bereich, von dem man weiß, dass ein Teil der Kinder noch gesund überleben wird.» Viele Frühgeborene, die zwischen der 22. und der 24. Woche zur Welt kommen, hätten bleibende Schäden, die die weitere Entwicklung der Kinder beeinträchtigten. Eine Schwangerschaft dauert normalerweise 40 Wochen.

Bei der Behandlung von Frühgeburten hat die Wissenschaft nach Worten des Mediziners in den vergangenen zehn Jahren enorme Fortschritte gemacht. «Das kritische Organ ist die Lunge», sagte Speer. Hier wüssten die Ärzte mittlerweile, dass man Kinder, die wahrscheinlich zu früh zur Welt kommen werden, bereits im Mutterleib mit Cortison behandeln könne. Dadurch reife die Lunge besser, und es bestehe die Chance, dass das Kind später nicht intubiert, also per Schlauch beatmet werden müsse. «Jede Form der mechanischen Beatmung kann die Lungenwege verändern. Es können Schäden zurückbleiben», erläuterte Speer. «Wenn sie selber atmen, ist das Risiko von Lungenschäden geringer und die Chance, dass das Kind gesund bleibt, höher.»

Zudem wüssten die Forscher heute, dass Sauerstoff - eigentlich lebenswichtig - in zu hoher Konzentration die Lunge und auch die Netzhaut schädigen könne. «Wir haben über zwei, drei Jahrzehnte geglaubt, dass viel Sauerstoff wichtig ist», sagte Speer. Heute würden Ärzte den Neugeborenen aber nur noch so viel Sauerstoff geben, wie wirklich nötig sei, um Risiken so gering wie möglich zu halten.

dpa-infocom


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