«Fußball-Frieden» in Polen: Einigung mit der FIFA
Warschau Nach tagelangem Streit herrscht in Polen wieder «Fußball-Frieden» - und die Fans können endlich aufatmen.
In letzter Minute haben die Regierung und der Fußballverband PZPN nach ihrer heftigen Auseinandersetzung eine Einigung erzielt.
Die drohenden Sanktionen durch den Weltverband FIFA sind damit abgewendet. Durch die Kompromisslösung hat Polen eine Suspendierung vermieden, sagte FIFA-Präsident Joseph Blatter. «Damit ist der Frieden in den polnischen Fußball zurückgekehrt», sagte Blatter in Brüssel nach einer Sitzung mit dem Kulturausschuss des Europäischen Parlaments. Blatter betonte, die FIFA habe nur die Fußballverbände unter Druck gesetzt, aber nicht die polnische Regierung.
Wie die FIFA in einer Presseerklärung mitteilte, soll der umstrittene PZPN-Verwalter Robert Zawlocki schnellstmöglich wieder abberufen werden. Über den Zeitpunkt seiner Abberufung gibt es aber offensichtlich Differenzen zwischen Polens Sportminister und Fußball-Weltverband. Während in der FIFA-Erklärung von «spätestens» dem 7. Oktober die Rede ist, will Drzewiecki bis zur Arbeitsaufnahme durch ein internationales Kontrollgremium abwarten. «Der Verwalter ist weiterhin tätig», betonte er vor Journalisten. Erst wenn die vorgesehene Unabhängige Wahlkommission mit der Sanierung des polnischen Fußballs beginne, werde sich die Situation ändern. Die erste Plenarsitzung des Gremiums soll am Freitag stattfinden. «Erst dann können wir über weitere Entscheidungen reden», so Drzewiecki.
Vor dem Ablauf des Ultimatums am 6. Oktober um 12.00 Uhr habe die FIFA Schreiben der polnischen Regierung und des nationalen Fußballverbandes erhalten, die eine «positive Entwicklung» andeuten. Damit steht auch der Austragung der WM-Qualifikationsspiele Polen gegen Tschechien (11. Oktober) und die Slowakei (15. Oktober) nichts mehr im Wege. Die FIFA hatte wegen der Einmischung der Regierung mit einer Suspendierung des Verbandes gedroht. Der Weltverband will allerdings die Entwicklung in Polen weiterhin aufmerksam beobachten. Das heiße Thema soll beim Treffen der FIFA-Exekutive am 23/24. Oktober nochmals diskutiert werden.
Zawlocki war am 29. September eingesetzt worden, gleichzeitig wurde die alte PZPN-Führung mit Präsident Michal Listkiewicz an der Spitze suspendiert. Sportminister Miroslaw Drzewiecki hatte das radikale Vorgehen mit rechtswidriger Tätigkeit und fehlender Bereitschaft des Verbandes zur Bekämpfung der Korruption begründet. FIFA und UEFA lehnen diese Maßnahmen als einen Eingriff der Regierung in die Autonomie des nationalen Verbandes ab. Die UEFA drohte zugleich mit der Aberkennung der Europameisterschaft 2012, die Polen als Co-Gastgeber mit der Ukraine ausrichten soll.
Der mühsam ausgehandelte Kompromiss sieht außer der Abberufung des Verwalters die Wiedereinführung ins Amt der suspendierten PZPN-Spitze. Der Fußballverband gab im Gegenzug Unregelmäßigkeiten in seiner Tätigkeit zu. Die Fehler sollen unter Kontrolle der internationalen Kommission aus polnischen sowie FIFA-UEFA-Vertreter «schnellstens» abgestellt werden. Am 30. Oktober soll die Wahl des neuen PZPN-Präsidenten stattfinden. Um dieses Amt bewerben sich unter anderen zwei weltbekannte Ex-Nationalspieler: Zbigniew Boniek und Grzegorz Lato.
Der polnische Fußball wird seit Jahren durch Schmiergeldskandale erschüttert. Seit 2005 wurden mehr als hundert Funktionäre, Schiedsrichter und Spieler unter Korruptionsverdacht verhaftet. In den vergangenen Jahren hatte die Regierung zweimal versucht, die Kontrolle über PZPN zu verstärken. Die meisten polnischen Medien unterstützten das harte Vergehen des Sportministers gegen den Verband. Der Publizist der größten polnischen Qualitätszeitung «Gazeta Wyborcza», Michal Pol, bezeichnete den Kompromiss als «totale Kapitulation». Das Blatt bezeichnete die FIFA als die «mächtigste, reichste und am meisten korrumpierte Sportorganisation der Welt».
dpa-infocom












