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Mainz 05

Charakterspiel vorm Etappenziel

Mainz Die Konkurrenz hat an diesem Wochenende für den FSV Mainz 05 gespielt.

Deshalb hat die Mannschaft von Jörn Andersen heute Abend (20.15 Uhr) im Nachbarschaftsduell am Bruchweg gegen den SV Wehen Wiesbaden die große Chance, mit einem Sieg die alleinige Tabellenführung der Zweiten Liga zu übernehmen.

Die Niederlage des 1. FC Kaiserslautern dürfte den Fußballprofis des FSV Mainz 05 besonders gut gefallen und die abendliche Trainingseinheit ziemlich versüßt haben. Die 0:5-Klatsche des bisherigen Tabellenführers bei TuS Koblenz verleiht dem Nachbarschaftsduell gegen den SV Wehen Wiesbaden heute Abend am Bruchweg einen zusätzlichen Reiz: Die Mainzer können nämlich mit einem Sieg gegen das Team von Christian Hock den kommenden Pokalgegner SC Freiburg, der nach dem 2:0-Sieg gegen den MSV Duisburg die Spitze übernommen hatte, wieder ablösen und die alleinige Führung übernehmen. Die Mannschaft von Jörn Andersen kann zudem den siebten Spieltag abschließen als einzige ungeschlagene Mannschaft der Liga.

"Ich habe in der Sitzung eben noch einmal klar gemacht, um was es in diesem Spiel geht", sagte der 05-Trainer gestern Abend am Bruchweg. "Im Moment zählt die Tabelle nicht. Wir sollten nicht zu viel drauf schauen", so der Norweger. Aber: "Die Tatsache, dass wir nach diesem Spiel alleiniger Tabellenführer sein können, ist schon ein zusätzlicher Motivationsschub." Hört sich zwar krumm an, hat aber was. Der Norweger hat seine Profis darauf eingestellt, heute Abend alles zu unterlassen, was dazu führen könnte, die Mannschaft vom rechten Rheinufer zu unterschätzen oder dem Gegner nicht mit aller Macht entgegenzutreten.

"Für mich ist das ein Charakterspiel. Ich lege viel Wert darauf, dass unsere Spieler zeigen, dass sie diese Partie als Kampfspiel annehmen und alles hinein legen. Es gibt nichts, was wir dem Gegner schenken würden", erklärte der 05-Trainer, der allerdings davon überzeugt ist, "dass wir eine solche Mannschaft haben, die das auf dem Platz zeigen wird." Andersen hat diese Vorrunde offenbar in verschiedene Etappen eingeteilt, kurz- bis mittelfristige Ziele ausgegeben, die er mit den 05ern erreichen will - wenn dabei zusätzlich die Tabellenführung herausspringt, umso besser. "Ich will nach diesem Spieltag 17 Punkte haben. Dann sind wir auf einem guten Weg vor dieser Länderspielpause." Wenn es dann weitergehe in der Liga, habe er neue Ziele, so Andersen, der keinen Zweifel daran lässt, dass er diese Ziele sehr hoch ansetzt.

Drei Punkte gegen den Tabellenletzten aus Wiesbaden sind eingeplant. Dabei wissen allerdings alle am Bruchweg, dass diese Partie kein Selbstläufer werden wird, auch wenn der Derbycharakter in dieser Begegnung aus Mainzer Sicht keine besondere Rolle spielt. Die Merkmale eines echten Derbys erfüllt das Duell der beiden Nachbarstädte heute Abend unzureichend. Das zeigt alleine die Tatsache, dass der SV Wehen Wiesbaden nahezu 1000 Gästekarten nicht in Anspruch nimmt.

"Ein Derby lebt von Geschichten und Vorfällen, die mit der Zeit passiert sind und dem Ganzen einen eigenen Charakter verleihen", sagt Christian Heidel. "Wir bestreiten nun erst das dritte Spiel gegen die Wehener." Und die beiden ersten Treffen hakten die Mainzer derart souverän ab, dass wenig an Emotionen aufkam. "In Wiesbaden ist die ganze Fankultur noch nicht so ausgeprägt, Derbys, wie wir sie sehen, sind dort noch nicht so zu Hause", erklärt der 05-Manager. "Aber ich bin bei solchen Sachen immer vorsichtig, weil ich die Situation von Mainz 05 aus der Vergangenheit kenne. Es ist sicherlich recht einfach, jetzt über die Wiesbadener zu spötteln, weil sie die Karten nicht verkauft kriegen. Doch ich weiß nicht, ob wir es vor 15 Jahren geschafft hätten, mit 2000 Leuten zum Derby nach Kaiserslautern zu fahren."

Der Mainzer Manager möchte deshalb jedem 05-Anhänger raten, den Gegner nicht auf die leichte Schulter zu nehmen und nicht mit der Höhe des möglichen Erfolges zu spekulieren. "Wir sind diejenigen, die in diesem Spiel am Montagabend nur verlieren können. Zu glauben, diese Partie mal eben locker nach Hause zu schaukeln, wäre der größte Fehler." Ein Appell von Heidel, der eindeutig auch an die Adresse der Mannschaft gerichtet ist. "Für die Wehener ist dies das Spiel des Jahres."

Eine Begegnung, in der sich der Tabellenletzte bei einem Überraschungscoup neue Kraft holen, die bisher fehlende Sicherheit gewinnen könne. "Und es entwickelt sich ein Derby, das wir nicht wollen." Der 43-Jährige fordert von seinen Profis die Einstellung wie in den Wochen zuvor, diese Sicherheit der vergangenen Spiele auf den Platz zu bringen, dieselbe Aggressivität und Abschlusskonsequenz. "Ich habe solche Phasen schon häufig erlebt", sagt Heidel warnend. "Wenn du denkst, alles läuft nach Plan, kriegst du den Tritt in die Magengrube. (Jörg Schneider)

RZO


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