Analyse:Finanz-Großbrand zeigt Mängel bei Aufsicht
Frankfurt/Main Unfähige Banker, gierige Spekulanten und eiskalte Profitmaximierer - das sind in den Augen vieler Politiker die Hauptschuldigen für die Finanzkrise.
«Ungeheuerlich» empfand etwa Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) die unzureichende Zusammenarbeit der Hypo-Real-Estate-Managements mit dem Bund. Doch der Zusammenbruch von zahlreichen Banken rund um den Globus wirft auch auf Notenbanken, Finanzaufsicht und schließlich die Politik selbst kein gutes Licht.
«Hier hat die irische Aufsicht versagt und die deutsche auch», sagt der Bankenexperte Wolfgang Gerke zur Schieflage der Hype Real Estate, die durch ihre in Irland ansässige Tochter Depfa fast in den Abgrund gerissen worden wäre. «Die nationalen Aufsichten sind völlig überfordert», kritisiert Gerke. Er fordert schon lange eine internationale Kontrollinstanz für die Banken, am besten beim Internationalen Währungsfonds angesiedelt.
«Die Notenbanken hätten die Krise früher sehen müssen», sagt auch Martin Faust von der Frankfurt School of Finance. Die kurzfristige Kreditaufnahme der Depfa für langfristige Projekte sei nicht über Nacht entstanden, sondern das Geschäftsmodell gewesen. Die Gefahren seien aber weder den Aufsehern, noch den Wirtschaftsprüfern bewusst gewesen. Auch die Bilanzregeln seien unzureichend - zu vieles hätten Banken außerhalb der Geschäftsberichte verschleiern können.
Die tiefere Ursache der Finanzmarktkrise sieht Bankenexperte Gerke auch in der Geldpolitik der Notenbanken, vor allem der amerikanischen Fed. «Die Fed hat zu lange die Zinsen unter der Inflation gehalten. Das Sparen wurde bestraft und das Kreditnehmen belohnt», sagt Gerke. Die Fed habe damit die Politik der US-Regierung etwa beim Einmarsch in den Irak unterstützen wollen. Über günstige Zinsen hätten die Notenbanken gleichzeitig Anreize für hochriskante Wetten gegeben, sagt Faust.
Jetzt spielen die Zentralbanken die Feuerwehr: Mit gigantischen Summen fluten sie die Geldmärkte, um die Geldversorgung zu sichern. So stellte allein die EZB in einem Schnellverfahren am Montag erneut 50 Milliarden US-Dollar für einen Tag zur Verfügung - Stützungen, an die sich die Marktteilnehmer inzwischen fast schon gewöhnt haben.
Auch die Regierungen greifen zum äußersten Mittel. Den Schritt der Bundesregierung, nun die privaten Spareinlagen bei deutschen Banken zu garantieren, sehen Gerke wie Faust als richtig an. «Schlangen vor Bankschaltern kann man sich nicht leisten», sagt Gerke. Auch Faust sagt: «Die Einlagensicherung ist für Schönwetter ausgelegt, nicht für Schlechtwetter.»
Faust befürchtet allerdings, dass dies nur der erste Schritt war. Die Politik sei erpressbar geworden. Wenn die Krise weitergehe, müsse der Bund dann vermutlich ähnlich wie die irische Regierung sämtliche Verbindlichkeiten von strauchelnden Instituten übernehmen. Er erwartet erst in sechs bis zwölf Monaten die Bewährungsprobe - wenn die sich abkühlende Konjunktur zu den dann ohnehin üblichen Kreditausfällen führt. Faust: «Wir sind noch nicht am Höhepunkt.» Von Rochus Görgen, dpa
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