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 Das Thema des Tages 

Analyse: Tage von HRE-Chef Funke sind gezählt

München/Berlin Nach der zweiten Notrettung der Hypo Real Estate innerhalb einer Woche sind die Tage von Georg Funke als Vorstandschef wohl gezählt. Auch der Stuhl von Aufsichtsratschef Kurt Viermetz wackelt bedenklich.

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) ließ am Montag keinen Zweifel daran, dass er sich mit dem alten Management nicht mehr an einen Tisch setzen will, um das neue Rettungspaket umzusetzen. Dass der Aufsichtsrat trotz des massiven Drucks immer noch an Funke festhält, hat nach Informationen aus Verhandlungskreisen vor allem einen Grund: Es ist kein geeigneter Nachfolger in Sicht. Einen Kronprinzen habe sich Funke in seiner fünfjährigen Amtszeit nicht aufgebaut. Wenn er gehe, sei der Konzern in den dramatischsten Tagen seiner Geschichte führungslos.

Funke habe damit gegen die in der Bankenlandschaft geltende «Ziegelstein-Theorie» verstoßen. «Eigentlich ist bei Banken üblich, dass sofort ein Nachfolger bereitsteht, wenn einem Vorstand ein Stein auf den Kopf fällt.» Mit seinem Alter von 53 Jahren habe sich Funke aber zu sicher gefühlt und nicht für den Fall seines Abtritts vorgesorgt. So blieb dem Kontrollgremium erst einmal nichts anderes übrig, als Funke im Amt zu lassen. «Im Moment ist extremes Krisenmanagement gefragt», hieß es im Umfeld des Unternehmens. Dem Druck aus Berlin wird sich Funke aber nicht mehr lange widersetzen können. «Wenn die Politik seinen Kopf fordert, wird man dem langfristig nachkommen müssen», hieß es.

Auch Aufsichtsratschef Viermetz steht allerdings als oberster Kontrolleur des Unternehmens in der Schusslinie. Er hatte schon früher als Aufsichtsratschef bei der HypoVereinsbank nicht nur Freunde, sein Wechsel zur HRE kam einigen damals ganz recht. Er halte an Funke fest, um selbst keinen Schaden an der Krise zu nehmen, heißt es nun in München. «Wenn Funke geht, dann wird er reden. Das ist so wie im Tatort im Fernsehen.»

Dabei zählt das Reden sonst nicht zu den Stärken von Funke. Der bodenständige Gelsenkirchener hielt sich jahrelang in der Öffentlichkeit zurück und ließ lieber die Zahlen sprechen. Während andere Bankenmanager wie Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann Prominenz erlangten, blieb Funke im Hintergrund, kaum jemand kannte seinen Namen. Das ging gut, solange die Geschäfte des DAX-Konzerns rund liefen. In der Krise aber fehlt ihm nach Ansicht von Experten die Vernetzung - vor allem nach Berlin.

Im Umgang mit der Bundesregierung habe sich das Unternehmen ungeschickt verhalten und damit den Ärger von Steinbrück und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf sich gezogen. Besonders empört zeigten sie sich darüber, dass das Management sie nicht persönlich über die Zuspitzung der Lage Ende vergangener Woche informiert hatte, sondern Anwälte sprechen ließ. Wenn im Falle eines Rücktritts von Funke ein Nachfolger gefunden wird, wird er sich wohl erstmal ins Flugzeug nach Berlin setzen müssen - um die Verstimmungen zwischen München und der Hauptstadt beizulegen. Von Daniela Wiegmann, dpa

dpa-infocom

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