Sparer: «Ein ungutes Gefühl bleibt doch»
Nürnberg/Hamburg Der Beinahe-Zusammenbruch des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate hat die Sparer deutlich verunsichert. «Das Vertrauen ist angeknackst», klagt Daniel Hasfurther.
Der 36-jährige Nürnberger denkt zwar, dass sein Geld bei der Bank «im Moment noch» gut aufgehoben sei. In Hasfurthers Bekanntenkreis teilen jedoch längst nicht alle diese Meinung, wie er erzählt: «Manche haben ihr ganzes Geld abgehoben, eine versteckt es wieder wie die Großeltern im Sparstrumpf zu Hause.»
Zu solch drastischen Mitteln greifen indes die wenigsten. «Von Panik kann keine Rede sein», sagt ein Sprecher der HypoVereinsbank. Eine Kollegin von der Commerzbank bestätigt dies für ihr Institut: «Die Kunden reagieren besonnen, haben aber auf jeden Fall einen hohen Informationsbedarf.» Berater Maximilian Streng von der Norisbank erlebt die Sorgen dieser Tage hautnah: «Viele kommen her, viele rufen an.» Die Kunden wollten vor allem eine genaue Erklärung des Einlagensicherungsfonds, der ihre Ersparnisse gegen Bankpleiten absichert. «Jeder macht sich Gedanken, das ist ja klar», sagt Berater Streng.
So wie ein 58-jähriger Rentner in Köln, der jedoch eher um seine private Rentenversicherung und seine Lebensversicherung fürchtet. «Mein Girokonto ist auf der sicheren Seite», zeigt er sich überzeugt.
Diese Gewissheit haben aber längst nicht alle Kunden. Von einem «enorm gestiegenen Beratungsbedarf» spricht auch die Verbraucherzentrale Hamburg. «Die meisten Menschen haben Angst, dass ihr Geld nicht mehr sicher ist.»
Informationsbedarf habe auch schon vor der am Wochenende eskalierenden Krise um die Hypo Real Estate bestanden, sagt Hans Schmid vom Sparkassenverband Bayern. «Im allgemeinen ist die Zahl derer, die Geld bringen, immer noch höher als die Zahl derer, die ihr Geld abheben.» Die Staatsgarantie der Bundesregierung für Spareinlagen sei «eine psychologische Zusatzabsicherung, damit die Leute nicht unsicher werden - auch wenn wir diese Unsicherheit noch nicht spüren». Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte am Sonntag erklärt, private Sparer müssten nicht befürchten, auch nur «einen Euro ihrer Einlagen zu verlieren». Die Garantie gilt dauerhaft für alle Spargelder und Termineinlagen sowie Girokonten.
Das nützt der Lebensgefährtin des Rentners Reiner Schlitzer allerdings nichts, wie er erzählt. Sie habe einen Teil ihres Geldes in Fonds investiert - und Verluste erlitten. Der 76-Jährige selbst kommt am Montag gerade von seiner Sparkasse in Nürnberg. «Da hat man mir versichert, man brauche keine Sorgen zu haben. Ich wusste das, habe es mir aber heute noch mal bestätigen lassen.» So einfach lassen sich jedoch nicht alle Kunden beruhigen. Ein 61-jähriger Uhrmacher aus Köln ist fest überzeugt: «Man wird nur belogen. Ich glaube nichts mehr.»
Beruhigen soll die Sparer, dass über die gesetzliche Absicherung hinaus seit langem noch bankspezifische Notfallsysteme bestehen. «Wenn etwas schiefläuft, würde die Nachbarsparkasse oder der Sparkassenverbund für uns eintreten», erläutert beispielsweise Schmid. Vergleichbares gilt für Volks- und Raiffeisenbanken in Deutschland. Rund 180 private Institute - darunter alle namhaften Banken - haben sich ihrerseits zum Einlagensicherungsfonds zusammengeschlossen. Die Aussage einer Nürnberger Bankkundin dürfte nichtsdestotrotz für die meisten Sparer zutreffen: «Ein ungutes Gefühl bleibt doch.» Von Elke Richter, dpa
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